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Anzahl Resultate: 40
Titel: Der Junge auf dem Berg
Kollation: CD. Lesung, ca, 387 Min., 5 CD's
Verlag, Jahr: Igel-Records, 2017
ISBN: 978-3-7313-1164-5
Kategorie: Nonbook
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 11.10.2017
Der Junge auf dem Berg
Pierrot (7) aus Paris steht 1936 ohne Eltern da. Seine deutsche Tante Beatrix nimmt ihn zu sich. Sie arbeitet und wohnt als Haushälterin im Berghof, der Sommerresidenz des Führers Adolf Hitler. Von nun an wird Pierrot Peter genannt. Der Führer fasziniert ihn, flösst ihm Respekt ein und er möchte ihm gefallen. Eines Nachts lauscht Pierrot an Beatrix' Tür. Er versteht nur, dass sie eine Beziehung zum Fahrer Ernst hat und sich Sorgen um ihn, Pierrot, macht, denn sie und Ernst planen im Geheimen ein Attentat auf Hitler. Pierrots Ergebenheit Hitler gegenüber führt dazu, dass der Junge dafür sogar seine Tante und Ernst verrät.
> Diese Geschichte einer unglaublichen Schuld des Jungen setzt sich im Herzen der Zuhörenden lange fest. Die beiden Sprecher überzeugen mit einer gefühlvollen, fein fliessenden und an manchen Stellen dezent intensiver werdenden Stimme für die Welt von Pierrot und einer tiefen, strengen Stimme mit dunklem Timbre und leichtem Staccato für Hitler. Karin Schmid

Titel: Der Junge auf dem Berg
Kollation: A. d. Engl., geb., 315 S.
Verlag, Jahr: Fischer, 2017
ISBN: 978-3-7373-4062-5
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 02.10.2017
Der Junge auf dem Berg
Innerhalb kurzer Zeit verliert Pierrot erst seinen deutschen Vater, danach seine französische Mutter. Er wird bald von seiner Tante nach Österreich geholt. Sie ist die Schwester von Pierrots Vater und arbeitet als Haushälterin im Berghof, Adolf Hitlers Sommerresidenz. Mit den Jahren wird aus dem kleinen, schüchternen Pierrot ein herrischer und sadistischer Peter, der grosse Schuld auf sich lädt.
> Zehn Jahre nach seinem grossen Erfolg von "Der Junge im gestreiften Pyjama" veröffentlicht John Boyne einen weiteren Jugendroman, der im Zweiten Weltkrieg spielt und einen Jungen ins Zentrum des Geschehens stellt. Auch wenn der historische Hintergrund derselbe ist, haben wir es mit einer völlig anderen Szenerie zu tun. Boyne lässt Pierrot besonders nah an Hitler ran und fügt diese fiktionale Person geschickt in wahre Ereignisse auf dem Berghof ein. Pierrots Entwicklung wird nachvollziehbar geschildert, sie ist unschön und stellenweise kaum zu ertragen, wirkt aber glaubwürdig. Herausragend! Sandra Dettwyler

Titel: Die letzte Haltestelle
Kollation: A. d. Engl., geb., s.w. illustr., 175 S
Verlag, Jahr: cbj, 2017
ISBN: 978-3-570-17250-6
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 10.06.2017
Die letzte Haltestelle
1942 ist Amsterdam von den Deutschen besetzt. Die jüdische Bevölkerung wird gehetzt und in unbekannte Lager geschickt. Beatrix und ihre Mutter versuchen, mit der Strassenbahn zu einer Kontaktperson zu flüchten. Doch schon nach ein paar Haltestellen kontrollieren deutsche Soldaten die Fahrgäste und führen Beatrix' Mutter ab. Vor Schreck erstarrt bleibt die Sechsjährige den ganzen Tag in der Strassenbahn sitzen. Der Strassenbahnfahrer Hans und sein Bruder Lars, der Schaffner, haben Mitleid mit der Kleinen und nehmen sie am Abend zu sich nachhause. Doch die ledigen älteren Herren wissen nicht recht, was sie mit dem Kind anfangen sollen. Eine ältere Nachbarin hilft ihnen, Beatrix versteckt zu halten.
> Krieg und Judenverfolgung ist kein einfaches, aber wichtiges Thema für Kinder. Dieser berührende Roman ist schon für jüngere Leser und Leserinnen geeignet. Die Sprache ist einfach und ruhig und die schwarz-weissen Illustrationen passen sehr gut, ohne Angst zu machen. Rita Racheter

Titel: Bella Ciao
Kollation: A. d. Ital., geb., farb. illustr., 96 S.
Verlag, Jahr: Jacoby & Stuart, 2017
ISBN: 978-3-946593-26-3
Kategorie: Bilderbuch
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 07.05.2017
Bella Ciao
"Bella Ciao" heisst das Lied der italienischen Partisanen, die 1943–1945 vor allem in Oberitalien blutigen Widerstand gegen den Faschismus und die deutsche Besatzung leisteten. Die fünf Kapitel dieser Graphic Novel in Aquarelltechnik und ganz ohne Text berichten von der Befreiung Turins im April 1945. Protagonisten sind die jungen Grosseltern des Autors, der Ehemann ein Partisan. Im Kapitel "Die Razzia" erzählt Quarello, wie seine Grossmutter den verletzten Ehemann versteckt und die deutsche Patrouille zum Narren hält. Im Teil "Gegen die Faschisten" gelingt den Partisanen ein Überfall auf eine Faschistengruppe, deren Anführer sich vor Angst in die Hosen macht! Mit der Befreiung Turins und dem Ende des Kriegs kommt auch der Vater des Autors zurück zur Familie.
> Das Buch ist in dieser Form in erster Linie ein Stück Familien- und erst in zweiter Linie Weltgeschichte. Zur Einordnung des Geschehens ist der Text S. 96 wichtig. Auch die Strophen des Liedes stehen da. Ein schön gestaltetes Buch. Ulrich Zwahlen

Titel: Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin
Kollation: Geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: NordSüd, 2017
ISBN: 978-3-314-10382-7
Kategorie: Bilderbuch
Alter: ab 7
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 29.04.2017
Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin Nach einer wahren Geschichte über Walter Benjamin
Aussergewöhnliche Ideen können das Leben gefährden: Dies hat der Philosoph und Schriftsteller Walter Benjamin in Zeiten der grausamen Gedanken erfahren müssen. Um sein eigenes Gedankengut zu retten, wendet er sich an Frau Fittko, die ihm zur Flucht verhilft und ihn dabei ermahnt, nur leichtes Gepäck mitzunehmen. Doch Herr Benjamin schlägt ihren Rat in den Wind und tritt seine Reise mit einem schweren Koffer an. Was mag im Koffer sein? Das Rätseln beginnt und dauert bis heute an.
> Pei-Yu Chang nimmt den verschwundenen Koffer des jüdischen Autors (1892–1940) zum Anlass, ihr erstes Kinderbuch herauszugeben. Mit kräftigen Farbtönen, mal Farbstift, mal Collage, und akkuratem Bleistiftstrich dokumentiert sie Benjamins Flucht. Es entsteht ein Zeitzeugnis, welches auch jüngere Kinder an der Frage teilhaben lässt, welchen persönlichen Schatz ein Mensch mitnimmt, wenn er flüchten muss. Eine historische Bilderbuchgeschichte, die ohne zu ängstigen das tiefgründige Thema zu vermitteln vermag. Marcella Danelli

Titel: Salz für die See
Kollation: A. d. Engl., geb., 105 S.
Verlag, Jahr: Carlsen Königskinder, 2016
ISBN: 978-3-551-56023-0
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 29.04.2017
Salz für die See
Eine Flüchtlingsgruppe versucht, im Januar 1945 zu Fuss Gotenhafen (Gdynia) zu erreichen. Sie fliehen vor der herannahenden Front. Die Evakuierung der Menschen ist nur noch mit Schiffen über die Ostsee möglich. Trotz gegenseitigem Misstrauen gelingt es der litauischen Krankenschwester, gemeinsam mit der schwangeren Polin, dem deutschen Deserteur, einem alten Mann und einem sechsjährigen Kriegswaisen den lebensgefährlichen Weg zu bewältigen. Sie finden auf dem mit Flüchtlingen überfüllten Schiff „Wilhelm Gustloff“ Platz, dessen Versenkung durch ein U- Boot als die grösste Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt gilt.
> Die wechselnden Protagonisten erzählen aus ihrer Sicht distanziert die dramatischen Ereignisse. Der fiktive historische Roman beruht auf zahlreichen Berichten von Zeitzeugen, die als Erwachsene mit den traumatischen Kriegserlebnissen ihrer Kindheit leben müssen. „Kinder und junge Leute, das sind die Leidtragenden. Dieser Krieg hat die Zukunft vieler Menschen zerstört.“ Martina Friedrich

Titel: Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4
Kollation: Geb., farb. illustr., 109 S.
Verlag, Jahr: arsEdition, 2016
ISBN: 978-3-8458-1525-1
Kategorie: Comic
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 31.10.2016
Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4 und die Zeit der versteckten Judensterne
„Ich bin eine Erinnerung“ – und ein Geisterhaus. Haus Nr. 4 in Berlin erzählt vom Leben der jüdischen Familie Cohn unter Hitler. „Wenn Angst auf ihren spinnendürren Beinen den Rücken emporkriecht und man sich wünscht, die Geschichte wäre nur ausgedacht ..."
> Doch sie ist wahr! Mit einem abgewandelten Zitat aus dem Talmud lädt Haus Nr. 4 den Leser zu einer berührenden Erzählung ein, deren Botschaft aktueller ist denn je: Auch wenn Böses geschieht, darf man nicht hassen, sonst hört es niemals auf. Und: Das Einzige, was zählt, ist Menschlichkeit. Doch das Böse ist nicht immer einfach zu erkennen. Kindgerecht und ohne Schuldsuche gibt die Autorin schlüssige und nachvollziehbare Erklärungen zu oft auch von Erwachsenen gestellten Fragen wie: Warum? Warum folgten so viele Menschen unkritisch Hitlers Gesinnung? Was trieb den Widerstand an, was Denunzianten? Die Wirkung der Propaganda wird anhand der heutigen Werbung erklärt. Mit sepiafarbenen Illustrationen und alter Schreibmaschschinenschrift projiziert die Autorin unvergessliche Bilder in die heutigen Kinderzimmer, offenbart historisch-chronologisch all die schrecklichen Wahrheiten des Hitlerregimes. Doch das Buch leistet auch erbitterten Widerstand gegen das Vergessen und bedient sich dazu einer einfachen, das Herz berührenden Sprache, die zu Tränen rührt, aber nie rührselig wirkt. Dass es immer Wege gibt, Gutes zu finden, zeigt der rot-weisse Faden – ein Hoffnungsschimmer in all den düsteren comicartigen Zeichnungen und Fotografien. Immer verbunden mit einem starken Appell an Solidarität, Menschlichkeit und Mut fordert die Autorin ihre Leser auf, sich ihrer eigenen Gedanken zu bedienen. Denn Hass und Gewalt entstehen zuerst in den Köpfen. Der Mensch hat immer die Wahl, ob er seinen Gedanken Taten folgen lassen will oder nicht. Das Buch ist eine Erinnerung, die niemals in Vergessenheit geraten darf. Empfehlenswerte Schullektüre mit viel Diskussionsstoff. Christina Weirich

Titel: Ich war Hitlerjunge Salomon
Kollation: A. d. Französ., Broschur, s.w. illustr., 255 S.
Verlag, Jahr: Heyne, 2016
ISBN: 978-3-453-53483-4
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 25.09.2016
Ich war Hitlerjunge Salomon Er überlebte in der Uniform seiner Feinde – ein erschütterndes Schicksal
Der zehnjährige Perel lebte mit seinen aus Russland eingewanderten Eltern in Peine bei Braunschweig. Als 1935 die Rassengesetze gegen Nichtarier sich durchzusetzen begannen, das Geschäft der Eltern von Nazis verwüstet wurde, verlegte die nun geächtete jüdische Familie ihren Wohnsitz nach Polen. Der Junge lernte Polnisch und Russisch, was ihm bald zustattenkommen würde. Die Wehrmacht eroberte Polen, in Lodz entstand ein Ghetto. Perel konnte ihm entkommen und nach Russland fliehen, wo er als Minderjähriger in einem Waisenhaus interniert wurde. Beim Blitzangriff der Wehrmacht geriet er in Gefangenschaft, gab sich erfolgreich als Reichsdeutscher aus, mit einem von ihm spontan gewählten neuen Namen. Weil er fliessend Russisch sprach, schätzte man ihn als Dolmetscher beim Verhör gefangener feindlicher Offiziere. Ein deutscher kinderloser Truppenkommandant adoptierte ihn und sorgte dafür, dass er in eine Eliteanstalt der Hitlerjugend für Führungsnachwuchs eintreten konnte bzw. musste. Die Mitschüler bewunderten ihn wegen seiner Fronterfahrung. Mit Klugheit und List besonders beim Duschen konnte er seine jüdische Herkunft immer wieder verbergen. Mit Abscheu trug er die verhasste Uniform samt Hakenkreuz, führte den Hitlergruss aus, samt widerwillig gebrülltem "Heil Hitler", und liess nie verlauten, dass er die Niederlage der Wehrmacht in Russland mit Tausenden von Gefallenen kommen sah. Vielmehr stimmte er zum Schein in die Jubeltöne auf den nahen Endsieg ein – eine wahre Gratwanderung bis zur Auflösung des Internats durch die amerikanischen Truppen.
> Man könnte hier von einem autobiografisch-belletristischen Sachbuch reden. Ein historisches Dokument, das auf fesselnde Art die beschämenden Ereignisse der Nazizeit darlegt, aber auch, wie mit List und Klugheit politisch manipulierte Gruppen hinters Licht geführt werden können. Der betagte Autor lebt in Israel. Mit Lesungen und gut besuchten Treffen mit Jugendlichen in Deutschland versucht er, Gefahren von heute aufzuzeigen. Siegfried Hold

Titel: Wir schweigen nicht
Kollation: Geb., s.w. illustr., 235 S.
Verlag, Jahr: Arena, 2016
ISBN: 978-3-401-06854-1
Kategorie: Sachbuch
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 25.09.2016
Wir schweigen nicht Der Weg der Weissen Rose und der Geschwister Scholl in den Widerstand
Es ist eine Geschichte von gestohlener Jugend während des 2. Weltkriegs, das empörende Schicksal der Weissen Rose. Nicht bloss das Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl trug die Verantwortung für die Widerstandsgruppe gegen die Nazis, es war ein recht grosser Freundeskreis, der die lebensgefährliche Auflehnung gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit anpackte. Als Teenager begeistern sie sich für die Aktivitäten der Hitlerjugend, registrieren dann aber die verbrecherischen Machenschaften der Nazis, und gemeinsam organisieren sie den Widerstand mit einer Reihe von Flugblättern, im vollen Bewusstsein der Gefahr.
> Das Buch ist ein lückenloses, nach Jahren des Geschehens geschriebenes Aneinanderreihen von Tagebucheintragungen. Die Verwebung der jungen Menschen untereinander wird hier einfühlsam nachgezeichnet. Fliesstext ist kaum vorhanden, was die Lektüre recht aufwendig und schwierig macht. Zeittafel, Personenverzeichnis und Begriffsglossar unterstützen das Einordnen in den Kontext. Siegfried Hold

Titel: Annes Baum
Kollation: A. d. Französ., geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Gerstenberg, 2011
ISBN: 978-3-8369-5393-1
Kategorie: Bilderbuch
Alter: ab 7
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 21.07.2016
Annes Baum
Kräftig wächst der Spross heran, mitten in Amsterdam, zwischen Keizersgracht und Prinsengracht. Er ist der Ableger des Kastanienbaums, der vor ihm fast 150 Jahre an derselben Stelle gestanden ist. Nun trägt er die Erinnerung an die Zeit während des Zweiten Weltkrieges weiter, als die Judenfamilie Frank sich über zwei Jahre im gegenüberliegenden Haus versteckte. Mit dabei ist die 13-jährige Anna. Sie überlebt den Krieg nicht.
> Protagonist dieses herausragenden Bilderbuches ist der alte Kastanienbaum. In der Rückschau berichtet er, wie wichtig er für Anna wurde. Diese Art der Erzählung schlägt in Bann, denn sie beschreibt, ohne etwas zu beschönigen oder zu dramatisieren. In den Text eingewoben sind Tagebuchtexte der Anne Frank. Die fein gezeichneten Illustrationen sind mit kargen Farbakzenten meisterhaft gestaltet. Ein Geschichtswerk, welches das Schicksal des Judenmädchens, das nicht vergessen werden darf, aus einer aussergewöhnlichen Perspektive neu belebt. Katharina Wagner mehrere Stufen

Titel: Ein Versteck im Himmel
Kollation: Broschur, 158 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2011
ISBN: 978-3-570-22237-9
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 21.07.2016
Ein Versteck im Himmel
April 1942: Der Junge Jascha hat sich mit einer einzigen blitzschnellen Bewegung aus dem Menschenzug gelöst. Er rennt, hört Schüsse, rennt weiter, bis er ein sicheres Versteck findet, einen Kirchturm. Der zehnjährige jüdische Jascha flieht vor der Deportation. Der Turmwärter des Kirchturms hilft Jascha, sich zu verstecken und versorgt ihn täglich mit Nahrungsmitteln. Dabei riskiert er zu jeder Stunde, bei Tag und bei Nacht, sein eigenes Leben. Was er tut, gehört zum Schönsten, wozu Menschen fähig sind.
> „Ein Versteck im Himmel“ ist ein einfühlsames Buch. Ziemlich sachlich schildert die Autorin das Leben des versteckten Jascha. Der Leser erfährt dabei einiges aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Hinten im Buch befindet sich eine Zeittafel (1933-1945). Zudem werden Wörter leicht und verständlich erklärt, die im Text mit einem Stern gekennzeichnet sind. Der Roman eignet sich gut als Klassenlektüre, da er sehr informativ, leicht zu lesen und eher kurz ist. Maria Veraguth

Titel: Eine Handvoll Karten
Kollation: Geb., 270 S.
Verlag, Jahr: Jungbrunnen, 2010
ISBN: 978-3-7026-5817-5
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 21.07.2016
Eine Handvoll Karten
Leny, ein junges jüdisches Mädchen, lebt mit ihrer Schwester und den Eltern in Breda in den Niederlanden. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fällt mitten in ihre Kindheit. Lange merken das Mädchen und seine Familie nicht viel von den neuen Umständen. Trotz der zahlreichen Einschränkungen durch die Nationalsozialisten flieht die Familie nicht, taucht auch nicht unter, denn sie glaubt nicht, in ernsthafter Gefahr zu sein. So werden sie im Jahr 1942 nach Auschwitz deportiert und Leny stirbt einen Tag vor ihrem dreizehnten Geburtstag im Konzentrationslager.
> Den Ausgangspunkt des Romans bilden unzählige Postkarten, die Leny in einem Album gesammelt hat. Die Autorin lässt sich von der Spur der Karten zu einem einerseits fiktiven, andererseits wahren Roman über das Mädchen Leny inspirieren. Da sich der Roman an den verschiedenen Postkarten orientiert, wirkt der Text leider oft nicht zusammenhängend. Besonders am Anfang des Buches kommt kein Lesefluss auf. Maria Veraguth

Titel: Der Libellensee oder Wie man einen Prinzen rettet
Kollation: A. d. Engl., geb., 446 S.
Verlag, Jahr: Dressler, 2010
ISBN: 978-3-7915-1014-9
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 19.07.2016
Der Libellensee oder Wie man einen Prinzen rettet
Die elfjährige Tally wird von ihrem Vater nach Delderton ins Internat geschickt. Anfangs ist sie nicht sehr begeistert, doch schon bald findet sie dort neue Freunde und als sie von Berganien zu einem internationalen Tanzwettbewerb eingeladen werden, ist sie Feuer und Flamme. Doch bevor der Wettbewerb beginnen kann, wird der König von Berganien ermordet. Nazi-Deutschland will das Land einnehmen und setzt alles daran, den Königssohn zu finden. Aber Tally und ihre Freunde haben dafür gesorgt, dass der Prinz aus dem Land fliehen kann. Werden sie es schaffen, ihn bis nach England zu bringen?
> Die Erfolgsautorin von Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf, hat mit diesem Titel eine weitere herzerweichende Geschichte geschrieben. Mit einer spielerischen Leichtigkeit verpackt sie verschiedene Themen wie Nationalsozialismus und Kinderträume in eine fesselnde Geschichte, die Kinder und Erwachsene begeistert. Absolut empfehlenswert. Julia Degelo (17)

Titel: Ringel, Rangel, Rosen
Kollation: Geb., 190 S.
Verlag, Jahr: Oetinger, 2010
ISBN: 978-3-7891-3182-0
Kategorie: Belletristik
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 19.07.2016
Ringel, Rangel, Rosen
Eigentlich fühlt sich die 13-jährige Karin glücklich. Die Zeit der Sommerferien im Jahre 1961 erscheint ihr paradiesisch, alles ist im Lot. Doch da beginnt sie sich Gedanken über die Zeit des Zweiten Weltkriegs zu machen: Welche Rolle haben Eltern, Nachbarn gespielt? Eine dicke Decke des Schweigens umgibt sie. Alle wollen nach vorn schauen, vergessen. Da überrollt eine katastrophale Flutwelle Hamburg. Nur mit knapper Not kommen Karin und ihre Familie mit dem nackten Leben davon. Und nun muss auch dieses Ereignis irgendwie verarbeitet werden.
> Ganz eindrücklich und aus der Sicht des heranwachsenden Mädchens schildert die Autorin dessen innere Kämpfe. Es möchte nicht seine Unbeschwertheit verlieren, und doch muss es sich den Tatsachen stellen. Die Vergangenheit und das traumatische Erlebnis lasten schwer auf ihr. Ob Jugendliche aus der Schweiz, aufgewachsen im 21. Jahrhundert, diese Gedanken nachvollziehen können, ist eher fraglich. Das Buch kann wohl nur in der Diskussion mit Erwachsenen gewürdigt werden. Monika Fuhrer

Titel: Anne Frank Tagebuch App
Kollation: iOS
Verlag, Jahr: S.Fischer Verlag digiApp, 2016
ISBN:
Kategorie: Nonbook
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 14.05.2016
Anne Frank Tagebuch App
Mit der Anne Frank Tagebuch App bringt der S. Fischer Verlag in Kooperation mit Beyond the Story und dem Anne Frank Fonds Basel knapp siebzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der Tagebuchaufzeichnungen in den Niederlanden eine App für das iPad heraus, die einen umfangreichen, multimedialen Zugang zu Anne Franks Texten und ihrem Leben ermöglicht. Neben einer digitalen, mit direkt aufrufbaren Erläuterungen angereicherten Version des von Mirjam Pressler übersetzten Tagebuchs (in der vollständigen, weltweit verbindlichen Ausgabe) geben „Pfade durch die Geschichte“ sowie „Zeitleisten“ einen fundierten Einblick in Anne Franks Gefühlswelt, ihre Erlebnisse sowie das damalige Zeitgeschehen. Faksimiles historischer Dokumente, Videoclips und Audiofiles mit Kommentaren und Interviews sowie das 3D-Modell des Hinterhaus-Verstecks der Familie Frank runden die aufwendig produzierte App ab, die die Möglichkeiten des Mediums klug nutzt und so wichtiges Wissen vermittelt. Marlene Zöhrer

Titel: Der Fotograf von Auschwitz
Kollation: Geb., s.w. illustr., 190 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2015
ISBN: 978-3-570-15919-4
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 18.02.2016
Der Fotograf von Auschwitz Das Leben des Wilhelm Brasse
Wilhelm Brasse ist gelernter Fotograf, kommt aus Polen und wird 1940 ins KZ Auschwitz eingeliefert. Bald braucht man ihn dort als Fachmann für Porträtaufnahmen: Er muss alle für die Gaskammern ausersehenen Insassen dreifach abbilden. Es sind deren Tausende, die angsterfüllt in die Kamera blicken, in Erwartung des Todes oder der medizinischen "Forschungen" durch Mengele. Eine Weigerung des Fotografen wäre sein eigenes Todesurteil gewesen. Dem Befehl, vor der Eroberung durch die Russen alles zu verbrennen, widersetzt er sich heimlich, und so ist das Grauen in den Gesichtern der Menschen, auch von Kindern, erhalten geblieben.
> Der Autor hat den Fotografen, gest. 2012, noch besuchen können und derart Grauenhaftes erfahren müssen, dass daraus gleichsam die Biografie einer Todesfabrik entstanden ist, dokumentiert an zahlreichen Einzelschicksalen. Keine leichte, zum Glück sachliche Lektüre, aber leider gegen das Vergessen notwendig und für uns zumeist Nachgeborene äusserst wichtig. Siegfried Hold

Titel: Der Junge auf der Holzkiste
Kollation: A. d. Amerikan., Broschur, s.w. illustr., 205 S.
Verlag, Jahr: Fischer, 2015
ISBN: 978-3-7335-0048-1
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 18.02.2016
Der Junge auf der Holzkiste Wie Schindlers Liste mein Leben rettete
Trotz ärmlicher Verhältnisse erlebt Leon eine sehr glückliche Kindheit in Polen. Nichts deutet auf die kommenden Schrecken des Holocaust hin. Leon ist zehn, als „die Jahre in der Hölle“ beginnen. Es grenzt an ein Wunder, dass er jahrelang Erniedrigung, Grausamkeit, Hunger, Kälte und Todesangst im KZ überlebt. Letztendlich retten ihn aber Herz, Mut und Gerissenheit eines Deutschen: Oskar Schindler. Ein Nachwort von Leons Kindern sowie Bilder aus dem privaten Fotoalbum ergänzen den Bericht.
> Aller Unmenschlichkeit zum Trotz hat Leon bis zu seinem Tod kurz vor dem Erscheinen dieses Buches seine überraschend positive, lebensbejahende Art behalten, welche gut zum Ausdruck kommt. Es ist unter anderem die klare, bildhafte Sprache, die seiner persönlichen Erzählung eine unglaubliche Intensität verleiht. Jüngere wie ältere Lesende werden Leon und seine Geschichte unauslöschlich im Gedächtnis behalten. Als Klassenlektüre oder wenigstens auszugsweise im Unterricht an der Oberstufe dringend zu empfehlen! Eliane Hess

Titel: Die letzte Reise
Kollation: A. d. Französ., geb., illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Jacoby & Stuart, 2015
ISBN: 978-3-942787-55-0
Kategorie: Bilderbuch
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 18.02.2016
Die letzte Reise Doktor Korczak und seine Kinder
Janusz Korczak, der berühmte Waisenvater, Arzt und Reformpädagoge von Warschau, muss 1940 mit seinen 200 Kindern ins jüdische Getto umziehen. Der Platz für die Waisen wird immer eingeschränkter, die Lebensumstände werden immer trostloser. So erzählt es uns Simon, einer von Korczaks Schützlingen. Aber er erzählt auch vom Zusammenleben der grossen Gemeinschaft, von den Festen, vom Lernen, von den Regeln und vor allem von der Liebe, die Pan Doktor für die Kinder hat. Für ihn sind sie ernst zu nehmende Menschen. Das Reich von König Hänschen, so nennt sich der "Kinderstaat", wird am 5. August 1942 brutal zerstört. 192 Kinder und 10 Erwachsene, unter ihnen Janusz Korczak, werden nach Treblinka in den Tod geschickt.
> Ein sehr bewegendes Buch. Die düsteren Illustrationen in Sepiatönen und Bleistift bilden das Gegengewicht zu dem, was Simon voller Hoffnung und auch Begeisterung erzählt. Die Bilder sind stärker. Zum Glück lebt Korczak mit seinem Gedankengut in den Kinderkonventionen der UNO weiter. Ulrich Zwahlen

Titel: Wir haben das KZ überlebt
Kollation: Geb., s.w. illustr., 250 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2015
ISBN: 978-3-570-17197-4
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 18.02.2016
Wir haben das KZ überlebt Zeitzeugen berichten
Dieses Kapitel dunkelster Geschichte darf nie vergessen werden, und besonders Jugendlichen muss man anschaulich vor Augen führen, wozu Menschen einer kulturell hochstehenden Nation im Banne einer rassistisch verbrecherischen Diktatur fähig sind. Nach seinem erschütternden Dokument über den Fotografen von Auschwitz konfrontiert uns der Verfasser hier mit 10 Berichten von Überlebenden diverser Arbeits- und Vernichtungslager. Diese authentischen Schilderungen führen uns das unsäglich Grauenhafte der erstrebten Endlösung der Judenfrage und des Liquidationsziels unwerten Lebens ins Bewusstsein. Erstaunlich abgeklärt, oft gar verzeihend berichten die selbstverständlich sehr Betagten über die körperlichen und seelischen Qualen ihres damaligen Daseins, dem oft durch blossen Zufall ein Ende hat bereitet werden können.
> Der Stil ist sachlich, fast nüchtern, nie reisserisch, mit kurzen Sätzen, so dass auch Kinder ergriffen werden können, vorteilhafterweise in geführtem, auch kirchlichem Unterricht. Siegfried Hold

Titel: Winterpferde
Kollation: A. d. Engl., geb., 286 S.
Verlag, Jahr: Rowohlt, 2015
ISBN: 978-3-499-21715-9
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 27.09.2015
Winterpferde
1941: In Askania Nova, einem Naturreservat in der ukraninischen Steppe, leben die seltenen Przewalski Pferde. Auch Kalinka, deren Familie von der SS ausgerottet wurde, findet dort Zuflucht. Doch dann taucht die SS auf. Mit Hilfe eines alten Tierpflegers gelingt Kalinka die Flucht – zusammen mit den letzten beiden Wildpferden. Wie sollen sie es aber bis zur Roten Armee schaffen, wo die SS doch bereits ihre Verfolgung aufgenommen hat?
> Während die Charaktere der Wildpferde und von Kalinka wandelbar und vielschichtig sind, schwächen die Figuren des SS-Hauptmannes und der zu euphemistisch dargestellten Roten Armee durch ihre Eindimensionalität die spannend inszenierte Geschichte. Dennoch ein kluger Roman, der authentisch einige der dunkelsten Kapitel der ukrainischen Geschichte erzählt, sehr einfühlsam die Stimmungen der Charaktere auf beiden Seiten widerspiegelt sowie mit verblüffender Leichtigkeit zoologische, geografische und historische Fakten in die Handlung einflicht. Christina Weirich

Titel: Artisten, Freaks und Übermenschen
Kollation: Geb., 135 S.
Verlag, Jahr: Jungbrunnen, 2015
ISBN: 978-3-7026-5876-2
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 02.06.2015
Artisten, Freaks und Übermenschen
Billie (10-jährig) wächst bei Madame Bacclavia, einer Okkultistin, im Varieté-Milieu Wiens auf. Billie hat auf der Stirn ein drittes Auge. Sie muss sich als Freak gegen Geld beglotzen lassen, wird dann aber als Hellseherin eingesetzt. Zwiespältige "Visionen" bringen sie ins Visier der Nazis, die ihre Fähigkeiten für sich nutzen möchten. Im letzten Moment erkennt Billie die Gefahr, der sie ausgesetzt ist (Geheimnisträgerin). Sie versteckt sich beim Karikaturisten Gemach in einem Schreberhaus. Er muss an die Front, Billie lernt endlich schreiben und sieht das Kriegsende voraus.
> Die Geschichte ist einerseits eine Milieustudie, aber auch eine Entwicklungs- und Zeitschilderung ohne klare Handlung. Sie nimmt Bezug auf Tatsachen, bewegt sich aber mehrheitlich frei um die Protagonistin Billie. Ihre Emanzipation erfolgt erstaunlich schnell. Die ganze Geschichte ist nicht frei von Ungereimtheiten, nicht alles wirkt glaubwürdig: Rasches Schreiben-Lernen, Unterkunft bei Gemach, Alter und Verhalten. Ulrich Zwahlen

Titel: Flügel aus Papier
Kollation: A. d. Poln., geb., 285 S.
Verlag, Jahr: Fischer Sauerländer, 2015
ISBN: 978-3-7373-5212-3
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 10
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 02.06.2015
Flügel aus Papier
Warschauer Getto,1942. Rafal, 8 Jahre alt, liebt neben seinem Grossvater Bücher über alles. Der Weg in die Bibliothek wird immer gefährlicher, da das Getto laufend kleiner wird und immer mehr Juden deportiert werden. So entschliesst sich der Grossvater, seine kostbare Geige gegen die "Freiheit" für Rafal einzutauschen. Mit neuer Identität wird der Junge aus dem Getto geschmuggelt und versteckt sich fortan im tierlosen Zoo. Da trifft er Kinder mit dem gleichen Schicksal. Zusammen wollen sie mit einer geheim gebauten Arche aus der Stadt fliehen. Rafal und sein Grossvater überleben den Holocaust.
> Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen. Dennoch stellt sich die Frage, ob heutige junge Leser verstehen können, was damals geschah. Das Buch kann zur Vermittlung dieses Verständnisses eingesetzt werden, denn das Wissen um die Verbrechen an den Juden sollte nie verloren gehen! Der Roman ist als Zeitreise aufgebaut. Rafal selber kennt "Die Zeitmaschine" von H. G. Wells. Ulrich Zwahlen

Titel: Der Klang der Hoffnung
Kollation: A. d. Engl., Broschur, 283 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2015
ISBN: 978-3-570-15990-3
Kategorie: Belletristik
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 07.05.2015
Der Klang der Hoffnung Die Geschichte einer unmöglichen Liebe
Hanna ist eine begabte Klavierspielerin, Jüdin und erst 15-jährig, als sie und ihre Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert werden. Was sie dort erlebt, wird in der ganzen, grausamen Realität geschildert: Hunger, Schmerz, Kälte, Verzweiflung. Doch Hannas Glück ist die Musik. Sie flieht in ihre Partituren, geht sie im Kopf durch, um die Strapazen und das endlose Warten zu überstehen. Und sie wird vom Kommandanten erwählt, in dessen Villa als Pianistin zur Verfügung zu stehen. Dort trifft sie auf seinen Sohn Karl, der als Einziger in ihr einen Menschen sieht und seinen Vater anlügt, um sie zu retten.
> Suzy Zail schrieb einen Roman vor historischem Hintergrund, mit Detailwissen von ihrem Vater, der selbst als Jugendlicher Auschwitz überlebt hat. Ihre Sprache und ihr Schreibstil sind schön. Sie schafft es, dass man mit der Protagonistin mitliebt und mitleidet und nicht zuletzt hinschaut, wovor man lieber die Augen verschliessen würde. Cornelia Brühlmann

Titel: Das versteckte Kind
Kollation: Geb., farb. illustr., unpag.
Verlag, Jahr: Panini, 2014
ISBN: 978-3-86201-774-4
Kategorie: Comic
Alter: mehrere Stufen
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 27.01.2015
Das versteckte Kind
Elsa kann nicht schlafen. Sie steht auf und findet ihre Grossmutter Dounia traurig auf dem Sofa. Da beginnt die Grossmutter aus ihrer Kindheit im besetzten Frankreich zu erzählen. Wie sie plötzlich einen gelben Stern an ihrem Mantel tragen musste, ohne zu wissen warum. Und wie sie deswegen in der Schule gemieden und schlecht behandelt wurde. Als eines Tages ihre Eltern abgeholt wurden, konnten sie Dounia vorher noch verstecken. Nachbarn fanden das verängstigte Mädchen, kümmerten sich um es und flohen mit ihm. Dies war das Ende einer unbeschwerten Kindheit.
> Diese Graphic Novel erzählt ein schwieriges Kapitel der Geschichte aus Kindersicht, verstärkt durch die Figuren mit überproportionalen Köpfen und winzigen Knopfaugen. Mit einfachen Bildern und klarer Erzählweise vermag das Buch zu berühren, ohne Gräueltaten aufzeigen zu müssen. Für junge Leserinnen und Leser eignet es sich sehr gut als Einstieg in die Thematik des Holocaust, doch auch für Erwachsene ist es eine bewegende Lektüre. Karin Böjte

Titel: Prinsengracht 263
Kollation: A. d. Engl., Broschur, 363 S., Neuauflage
Verlag, Jahr: Carlsen, 2014
ISBN: 978-3-551-31082-8
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 16.11.2014
Prinsengracht 263 Die bewegende Geschichte des Jungen, der Anne Frank liebte
Peter van Pels, der Junge, der von 1942 bis 1944 mit Anne Frank im Hinterhaus an der Prinsengracht 263 gelebt hat, erzählt aus seiner Perspektive die Geschichte der beiden jüdischen Familien während ihrer Gefangenschaft. Es ist vor allem die Geschichte eines heranwachsenden jungen Mannes, dessen Lebenskraft und Lebenswille in der Enge halbdunkler Räume gedrosselt wird. Dessen Sehnsucht, sich gegen die herrschenden Machthaber zu wehren und zu kämpfen, damit begnügen muss, einer Wolke am blauen Himmel zu folgen. Und dessen Liebe der zarten und eigenwilligen Anne gilt.
> Mit viel Einfühlungsvermögen gelingt es der Autorin, mit Peters fiktiven Gedanken und Gefühlen eine Stimme hörbar zu machen, die sich nahtlos in die Aufzeichnungen von Anne Frank einfügt. Der Wunsch der Autorin, die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Auswirkungen des Hasses nicht zu vergessen, erfüllt sich mit diesem bewegenden Buch und lebt darüber hinaus weiter in die kommenden Zeiten hinein. Marcella Danelli

Titel: Lauf, Junge, lauf
Autor: Orlev, Uri
Kollation: A. d. Hebrä., geb., illustr., 226 S., 11. Aufl.
Verlag, Jahr: Beltz & Gelberg, 2014
ISBN: 978-3-407-74107-3
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 07.07.2014
Lauf, Junge, lauf
Mit seiner Familie gelingt dem neunjährigen Jurek die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Doch ein deutscher Fliegerangriff auf die Flüchtlingskolonne löscht fast alle Hoffnungen aus. Nur Jurek überlebt. Allein schlägt er sich durch Wälder, immer auf der Suche nach Unterschlupf und Arbeit. Er findet Menschen, die ihm weiterhelfen, aber auch solche mit Lust auf die Judenfangprämien der Gestapo. Jurek erleidet eine schwere Handverletzung, doch weil der Arzt keinem Juden Hilfe gewähren will, muss der Arm amputiert werden. In einer Abteilung russischer Soldaten erlebt der Junge das Kriegsende.
> Sofort erinnert man sich an Simplizissimus, bloss geht es hier um Leben oder Tod. Ohne jegliche Datumsangaben lässt sich das Geschehen genau eruieren, und man erlebt eine Abfolge von Abenteuern. Die Sprache ist nüchtern und knapp, wie die schnellen Entscheidungen des Jungen. Jedes der 18 Kapitel stellt eine Einheit dar, so dass sich die Lektüre sehr gut für die Klassenarbeit eignet. Siegfried Hold

Titel: 28 Tage lang
Kollation: Broschur, 411 S.
Verlag, Jahr: Rowohlt, 2014
ISBN: 978-3-499-21174-4
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 30.04.2014
28 Tage lang
Im Jahr 1943 ist der Alltag für die polnischen Juden im Warschauer Ghetto hart und bedrohlich. Die 16-jährige Mira versucht verzweifelt, ihre Familie am Leben zu halten: Sie schmuggelt Essen ins Ghetto und schliesst sich einer Widerstandsgruppe an. Tagtäglich erlebt sie Momente von grossem Leid, von Verrat, aber auch von Menschlichkeit.
> David Safier ist ein eindrücklicher Roman über eine fatale Zeit gelungen. Der Autor setzt eine Liebesgeschichte und die Geschehnisse im Ghetto in den Mittelpunkt seines Werkes. Inspiriert von wahren Geschichten schuf er mit einer Ausnahme fiktive Figuren, welche all das erleben, was damals geschehen ist. Durch eine moderne Sprache, den Einsatz von Spannungselementen und dank grosser erzählerischer Kraft wird der Roman zu einem lebendigen Zeitdokument, welches das Leben und den Aufstand der jungen Menschen im Warschauer Ghetto gut nachvollziehbar abbildet. Eine nachhaltige Lektüre. Béatrice Wälti-Fivaz

Titel: Abseits
Kollation: A. d. Ital., geb., farb. illustr.,
Verlag, Jahr: Jacoby & Stuart, 2014
ISBN: 978-3-942787-15-4
Kategorie: Bilderbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 27.04.2014
Abseits 1938. Ein Fussballer sagt nein
1938 wird Österreich an Nazi-Deutschland angeschlossen. Im letzten Fussballspiel der beiden Nationalmannschaften vor dem Zusammenschluss soll die Überlegenheit der Deutschen durch ihren Sieg deutlich werden. Das heisst, Österreich darf nicht gewinnen. Markus' Vater, ein Nazigegener, ist darüber gar nicht glücklich. Im Auftrag von Gleichgesinnten versucht er, den österreichischen Starfussballer Matthias Sindelar zu überzeugen, seine Mannschaft zum Sieg zu führen. Es soll ein Zeichen gegen die Einverleibung Österreichs gesetzt werden. Auch Sindelars Verlobte Camilla "bearbeitet" ihren Freund entsprechend. Und tatsächlich: Dank ihm gewinnt Österreich 2:0. Doch einige Monate später ist Sindelar tot.
> Zeichen setzen, Zivilcourage zeigen, passiven Widerstand leisten: Viele Menschen haben das in jener Zeit getan und meist dafür gebüsst. Nur dank seiner Bekanntheit ist Sindelar mit seiner Aktion im Gedächtnis der Nachwelt geblieben. Das Buch setzt ihm ein einfaches, aber eindrückliches Denkmal. Ulrich Zwahlen

Titel: Elefantenwinter
Kollation: A. d. Engl., geb., 168 S.
Verlag, Jahr: Aladin, 2013
ISBN: 978-3-8489-2009-9
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 20.02.2014
Elefantenwinter
Lizzie lebt im Altersheim. Die 82-jährige ist ziemlich schrullig, doch mit einer Pflegerin kommt sie gut aus. Vor allem, weil diese ab und zu ihren Sohn Karl mitnimmt. Der Neunjährige erinnert Lizzie an ihren eigenen Bruder und an die Ereignisse in Dresden zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. An einem kalten Februartag beginnt sie den beiden davon zu erzählen – auch welche Rolle das Elefantenmädchen Marlene und Peter, der kanadische Pilot, dabei gespielt haben.
> Die Geschichte über die Bombardierung von Dresen ist historisch belegt. Die Episode mit dem Elefanten basiert auf einer Begebenheit, die sich in Irland zugetragen hat. Moropurgo mixt dieses Material zusammen und lässt die Pflegerin als Ich-Erzählerin sprechen. So ist eine rührende Geschichte entstanden, die aber einige Ungereimtheiten aufweist. Moropurgo legitimiert seinen Roman damit, dass er als Geschichtenerzähler aus einer neuen Sicht zum Thema Krieg schreiben wolle. An seine bisherigen Werke kommt das Buch leider nicht heran. Katharina Wagner

Titel: Warum wir Günter umbringen wollten
Kollation: Geb., farb. illustr., 156 S.
Verlag, Jahr: Aladin, 2013
ISBN: 978-3-8489-2017-4
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 20.02.2014
Warum wir Günter umbringen wollten
Deutschland 1945. Der 12-jährige Freddy lebt bei Verwandten auf einem Bauernhof. Sonntags zieht er mit Freunden durch die Gegend. Günter, ein Flüchtlingskind aus Ostpreussen, ist leicht behindert und möchte dazugehören. Als er sich nicht wegschicken lässt, quälen ihn die Jungen bis er verstört nach Hause geht. Günter verrät keine Namen, aber die Bande wird verdächtigt, und die Erwachsenen drohen mit Schlägen und Erziehungsheim. Die Jungen beschliessen, Günter "verschwinden zu lassen".
> Hermann Schulz beschreibt eindrücklich, wie sich die Jugendlichen aus Angst eine furchtbare Lösung ausdenken. Die Lesenden identifizieren sich mit Freddy, der vom schlechten Gewissen gequält wird und sich niemandem anvertrauen kann. Am Schluss ist es ein ehemaliger SS-Mann, der ihnen zeigt, wie sie aus der Situation heraus kommen. Die Erfahrung hat ihn gelehrt, was es heisst, sich dem Gruppendruck nicht zu widersetzen. Die Stimmung wird durch die schönen, düsteren Bilder von Maria Luisa Witte untermalt. Alexandra Reichart

Titel: Nanking Road
Kollation: Geb., 476 S.
Verlag, Jahr: Ravensburger, 2013
ISBN: 978-3-473-40102-4
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 06.01.2014
Nanking Road
Nachdem sie im Zuge der Kristallnacht (November 1938) ausgeplündert und aus ihrer Wohnung vertrieben worden sind, gelingt der Familie von Siska Mangold die Flucht aus Berlin. In Genua nimmt sie ein Schiff auf mit Ziel Shanghai, wo sie dann in einem Ghetto Unterschlupf finden. Die Japaner üben ein rücksichtsloses Regime gegenüber den im Krieg unterlegenen Chinesen aus. Den Juden aus Deutschland ergeht es mindestens ebenso übel. Siska schildert den Verlauf des Kriegs bis zur nuklearen Niederlage der Besatzer; aus ungewohnter Perspektive betrachtete Zeitgeschichte.
> Allzu viele Details belasten und hemmen den Handlungsablauf, wobei die erwähnten Örtlichkeiten vielen Lesenden nicht geläufig sein dürften. Zudem hat das Verlagslektorat stellenweise versagt: Die Scharnhorst war ein Kriegsschiff und kein Luxusdampfer – von diesem Schiff aus schickt Siska ihrer Freundin eine Postkarte mit Datum 1944! Und dass Passagiere scharenweise analog Bilder knipsen konnten, war damals auch nicht möglich. Siegfried Hold

Titel: Lenis Lied
Kollation: Geb., 217 S.
Verlag, Jahr: Jungbrunnen, 2013
ISBN: 978-3-7026-5855-7
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 08.11.2013
Lenis Lied
Endlich darf Leni das verhasste katholische Internat verlassen und nach Hause zu ihren Eltern. Diese führen nun gemeinsam ein Wirtshaus. Doch was die Zehnjährige antrifft, ist ganz anders, als was sie von früher gewohnt ist. Der Vater ist jähzornig und schlägt Leni, die Mutter ist schwanger. Die Zehnjährige muss sich ihren Platz in der Gesellschaft neu erkämpfen.
> Die Geschichte spielt 1948 in Österreich, was in zahlreichen Wortwendungen hübsch zur Geltung kommt. Sie dokumentiert die Zeit, in der sich das Land nach dem Weltkrieg mühsam aufrappelt. Durch die Protagonistin erleben die Lesenden hautnah mit, wie die Leute nach den traumatischen Jahren Tritt zu fassen suchen. Lenis Wunsch nach Anerkennung, nach Überwindung der seelischen Wunden und ihr Traum von einer glücklicheren Zukunft ist eindrücklich beschrieben. Das Ende wirkt realistisch und hoffnungsvoll. Das Buch folgt nicht dem Mainstream, sein Cover wirkt veraltet, ebenso das Thema. Nichtsdestotrotz lohnt sich die Lektüre. Katharina Wagner

Titel: Ein Flüstern in der Nacht
Kollation: A. d. Engl., geb., 299 S.
Verlag, Jahr: cbj, 2012
ISBN: 978-3-570-15331-4
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 13
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 16.09.2013
Ein Flüstern in der Nacht
Als Rachels Familie 1943 von den Nazis verschleppt wird, gelingt es dem 10jährigen Mädchen, sich zu verstecken. Sie verliert nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Sprache. Ein älteres Ehepaar nimmt sie trotz grosser Gefahr auf. Rachel verbringt die nächsten Jahre im Verborgenen und lehrt Freddie, den Enkel des älteren Paares, dass die Juden für den Krieg nicht verantwortlich sind, wie der Führer es vermittelt. Trotz allen Widrigkeiten gibt Rachel die Hoffnung nicht auf, ihre Familie wieder zu sehen.
> Manchen mag das Thema Judenverfolgung während des 2. Weltkriegs abgegriffen scheinen. Doch vorliegendes Buch beleuchtet es aus der ungewohnten Sicht eines kleinen Mädchens, das im Verlauf der Geschichte zur jungen Frau heranwächst und die Lesenden intensiv an ihrer Gefühls- und Gedankenwelt teilhaben lässt. Zudem ermöglichen eine gut verständliche Sprache und die Kapiteleinteilung trotz bedrückendem Inhalt ein müheloses Lesen. Annina Otth

Titel: Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen
Reihe: Arena Bibliothek des Wissens
Kollation: Broschur, s.w. illustr., 175 S.
Verlag, Jahr: Arena, 2013
ISBN: 978-3-401-06823-7
Kategorie: Sachbuch
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 21.06.2013
Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen Alltag, Widerstand und Verfolgung - Jugendliche im Nationalsozialismus
"Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen!“ Mit diesem Kampfruf lehnten sich die jugendlichen „Edelweisspriaten“ gegen das Naziregime auf. Anja Tuckermann hat Tagebucheinträge, Interviews und Schilderungen aus dem Alltag unterschiedlicher junger Leute von damals zusammengetragen und mit den wichtigsten historischen Ereignissen zu einem Buch verwoben. Der Alltag mit Hunger und Entbehrungen, die Verfolgungen und der Widerstand von grössten Teils unbekannten Kleingruppen wird im vorliegenden Buch wieder zum Leben erweckt. Einige halfen damals den Juden bei der Ausreise oder beim Verstecken, andere riefen mit Flugblättern zum Widerstand auf. Dabei erfahren die Lesenden, wie Hitler an die Macht kam, wie er den Krieg von Anfang an vorbereitet hatte, wie das System die Menschen von klein auf manipulierte und wie unerwünschte Leute deportiert und umgebracht wurden.
> Das Buch aus der Reihe „lebendige Geschichte“ des Arena Verlags informiert und macht gleichzeitig unerwartet betroffen. Die Schilderungen der damaligen Zeitzeugen lassen die Lesenden die historischen Ereignisse hautnah miterleben. Der Autorin gelingt es auf optimale Weise, Interesse zu wecken und begreifbar zu machen, wie die Menschen durch die Strukturen des Dritten Reichs gefügig gemacht wurden und geleitet von Angst und Hassgefühlen zu überleben versuchten. Auch Erwachsenen erschliesst das Buch, trotz Vorwissen, neue Zusammenhänge. Ein absolut wichtiges, sogar notwendiges Buch in der heutigen Zeit des Überdrusses und der Unzufriedenheit. Eingestreute Fotos und ein Glossar dienen einem vertieften Verständnis der Geschehnisse. Ergänzend gibt eine Zeittafel (1918 bis 1945) am Schluss einen groben Überblick über die geschichtlichen Abläufe. Esther Marthaler

Titel: "Deine beste Freundin Anne Frank"
Kollation: A. d. Niederländ., geb., s.w. illustr., 199 S.
Verlag, Jahr: Fischer, 2013
ISBN: 978-3-596-85541-4
Kategorie: Belletristik
Alter: ab 10
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 06.05.2013
"Deine beste Freundin Anne Frank" Erinnerungen an den Krieg und eine besondere Freundschaft
Jacque ist 4 Jahre alt, als in Deutschland Hitler an die Macht kommt. Sie besucht in Amsterdam die Montessori-Schule. Zuerst scheinen die politischen Veränderungen weit weg stattzufinden. Doch plötzlich werden sie auch in den Niederlanden spürbar. Immer mehr Kinder aus Deutschland kommen in Jacques Klasse und erzählen seltsame, unverständliche Dinge. Als das Land besetzt wird, nehmen die Einschränkungen im Alltag drastisch zu. Der Vater verliert seine Arbeit, die Mutter ihr Geschäft. Innerhalb der Familie gibt es Streit zwischen assimilierten und orthodoxen Juden. Plötzliche steht den Kindern nur noch die jüdische Schule offen. Ein Jahr lang teilt die Autorin mit Anne Frank die Schulbank. Viele Interessen verbinden sie: Sie lernen zusammen, schwärmen für Filmstars und tauschen Erfahrungen über erstes Verliebtsein aus. Als die Freundin eines Tages nicht mehr zum Unterricht erscheint, glaubt Jacque, sie sei untergetaucht. Erst nach dem Krieg erfährt sie, was geschehen ist.
> Die Ereignisse der schrecklichenZeit werden aus dem Blickwinkel der Heranwachsenden erzählt. Die Sätze sind einfach aufgebaut, die Sprache ist sehr genau. So werden die Anspannung, Beklemmung und Bedrohung während der Kriegsjahre spürbar, ohne dass Einzelheiten erzählt werden. Dies ist eine Stärke der vorliegenden Buches, das in solcher Form auch jüngeren Lesenden zugemutet werden kann. 2004 erschien Jacqueline van Maarsens Geschichte im Erwachsenenprogramm des Verlags. Nach einer Umarbeitung ist sie nun im Kinderprogramm aufgelegt worden und hat dafür den Silbernen Griffel erhalten. Monika Aeschlimann

Titel: Das kurze Leben der Sophie Scholl
Kollation: CD. Feature, ca. 72 Min., 1 CD
Verlag, Jahr: Silberfisch, 2013
ISBN: 978-3-86742-699-2
Kategorie: Nonbook
Alter: ab 13
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 06.05.2013
Das kurze Leben der Sophie Scholl
Sophie Scholls anfängliche Begeisterung für die Hitlerjugend, ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin, ihre Erfahrung während des Arbeits- und Kriegshilfsdienstes und ihre erste Liebe zu Fritz Hartnagel klingt für die Hörenden vorerst nach einer normalen jungen Frau. Doch Sophies Kritik am Nationalsozialismus wächst. Sie schliesst sich im Jahr 1942 der Widerstandsgruppe „Weisse Rose“ an. Im Februar 1943 werden sie, ihr Bruder und ein Freund beim Verteilen von Flugblättern beobachtet, an die Gestapo gemeldet, verhaftet und vier Tage später hingerichtet.
> Der Autor versteht es, die Ereignisse chronologisch wiederzugeben und sie stilistisch geschickt mit Auszügen aus Gesprächsprotokollen, Briefen, Tagebüchern und Berichten von Zeitzeugen anzureichern. Gelesen werden die Texte von verschiedenen Personen, untermalt von leiser Musik oder passenden Geräuschen. Besonders ein nachgestelltes Verhör versetzt die Hörenden in die dunkle Zeit zurück. Ein äusserst spannendes Feature. Maria Veraguth

Titel: Schluss. Jetzt werde ich etwas tun
Kollation: Geb., s.w. illustr., 261 S.
Verlag, Jahr: Beltz & Gelberg, 2012
ISBN: 978-3-407-81122-6
Kategorie: Belletristik
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
4 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 20.02.2013
Schluss. Jetzt werde ich etwas tun Die Lebensgeschichte der Sophie Scholl
"Vom Verlassen ihrer Zelle bis zu ihrem Tod sind 48 Sekunden vergangen." Am 22. Februar 1943 wurde Sophie Scholl hingerichtet. Sie hatte Flugblätter gegen das Naziregime verteilt und wurde zur Märtyrerin. Nun werfen neu zugängliche Dokumente ein facettenreicheres Licht auf die Ikone des deutschen Widerstands. Sie zeigen eine zerrissene, unglückliche und gläubige Frau.
> Mit dem Schwergewicht auf Sophies persönlicher Entwicklung porträtiert die Autorin in vorliegendem Buch den Menschen Sophie Scholl und kehrt sich vom Mythos ab. Dabei erscheint auch Scholls Beziehung zu Fritz Hartnagel in einem neuen Licht, und es wird klar, dass ihre Abkehr vom Nationalsozialismus später stattfand als angenommen. Chronologisch aufgebaut ist das Buch nebst einer Charakterstudie auch ein Protokoll der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Andrea Eichenberger

Titel: Kriegswinter
Kollation: A. d. Niederländ., geb., 204 S.
Verlag, Jahr: Urachhaus, 2012
ISBN: 978-3-8251-7825-3
Kategorie: Belletristik
Schlagwort: Zweiter Weltkrieg
Alter: ab 13
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 13.02.2013
Kriegswinter
Im Winter 1944/45 leidet Holland schwer unter der Terrorherrschaft der Nazis. Die Menschen helfen einander gegenseitig in allen Belangen des täglichen Lebens, müssen aber dauernd in Angst leben, dass unter ihnen deutschfreundliche Verräter wohnen. Der 16jährige Michiel soll einen vertraulichen Brief von Widerstandskämpfern überbringen. Im Wald entdeckt er einen abgeschossenen englischen Piloten mit schweren Verletzungen, dem er unter schwierigsten Vorkehrungen Nahrung besorgt. Seine Schwester hilft ihm dabei, und immer wieder können sie sich auf den Beistand eines angeblichen Partisanen verlassen – ein lebensgefährlicher Irrtum.
> Bis in die Mitte des Buches wird auf spannende und informative Weise das Leiden der Holländer geschildert, etwa bei Geiselnahmen sowie standrechtlichen Verfahren. Auch die Aktionen des vor Verrätern nie sicheren Widerstands werden erwähnt. Doch dann gleitet der Text ab auf eine leicht kitschige Ebene mit überraschendem Schluss, wie er in Krimis üblich ist. Siegfried Hold

Titel: Das Karussell
Kollation: Geb., 454 S.
Verlag, Jahr: Beltz & Gelberg, 2012
ISBN: 978-3-407-81114-1
Kategorie: Belletristik
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
3 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 15.01.2013
Das Karussell
Der unehelich geborene Bertie wird von seiner Mutter in ein Waisenhaus gebracht. Er wächst in einer kargen, autoritären Umgebung auf. Sein Leben ist geprägt von immer heftigerer Auflehnung gegen die rigorosen Regeln. – Lisa hingegen verliert ihren Vater im ersten Weltkrieg und wächst mit Mutter und Schwestern zu einem selbständigen Mädchen heran. Nach dem Tod ihres Mannes begegnet sie Bertie. Es beginnt eine grosse Liebe, die vom zweiten Weltkrieg geprägt ist.
> Der Roman erzählt zwei verschiedene Lebensgeschichten, die durch die Liebe schicksalhaft verbunden werden. Daneben wird ein halbes Jahrhundert deutsche Geschichte erlebbar. Realistisch und verständlich vermittelt Klaus Kordon jungen Lesenden ein Bild von den damaligen Kriegszeiten. Der Autor erzählt darin auch ein Stück eigene Biographie, nämlich die Geschichte seines Vaters. Wie bei einem Karussell wiederholt sich alles von Generation zu Generation. Ein Roman, der auch Erwachsene zu fesseln vermag. Esther Marthaler

Titel: "Nicht mich will ich retten!"
Kollation: Broschur, s.w. illustr., 191 S., 3. aktualisierte Auflage
Verlag, Jahr: Beltz & Gelberg, 2012
ISBN: 978-3-407-78902-0
Kategorie: Sachbuch
Alter: junge Erwachsene
Bewertung:
2 von 4 Bücher
Rezension publiziert: 15.08.2012
"Nicht mich will ich retten!" Die Lebensgeschichte des Janusz Korczak
Janusz Korzcak war ein bedeutender polnischer Kinderarzt, Pädagoge und Schriftsteller. Seine fortschrittlichen pädagogischen Gedanken setzte er in seinem Warschauer Kinderheim praktisch um. Als Autor von Aufsätzen und Kinderbüchern postulierte er die uneingeschränkte Achtung vor Kindern. Unerschütterlich hat er sich sein ganzes Leben lang, vor allem in Zeiten des Krieges für mehr Menschlichkeit und Liebe engagiert. Er wurde zur Legende, als er sogar sein Leben opferte und 200 Kinder seines Waisenhauses ins Konzentrationslager Treblinka begleitete. Vermutlich verstarb er am 5. August 1942.
> Der Autorin ist es gelungen, Achtung und Respekt für eine beeindruckende Persönlichkeit zu wecken. Viele Zitate aus seinen Aufsätzen und Büchern geben unmittelbar Einblick in sein Gedankengut. Da man nur wenig über Korczak weiss, ist auch seine Biografie nicht lückenlos beschrieben. Von den Lesenden wird einiges an Durchhaltewillen und Konzentration abverlangt, um nicht den Faden zu verlieren. Esther Marthaler